Sieben Innovationen für die Zukunft 

Der Zukunftspreis 2017 geht an ein Entwicklerteam der Marquardt GmbH. Stellvertretend für das gesamte Team nehmen Daniel Moosmann (l.) und Andreas Hamma (2.v.r.) den Hauptpreis von Stifter Ewald Marquardt (2.v.l.) und dem Vorsitzenden der Jury und Laudator Prof. Hans-Jörg Bullinger (r.) entgegen.
Die Digitalisierung wird alles verändern
Die Verleihung des Zukunftspreises 2017

Glückliche Preisträger und viele Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft versammelten sich am 16. März 2018 im Stiftungshaus in Rietheim, um der Preisverleihung des Zukunftspreises 2017 beizuwohnen. Der mit 10.000 Euro dotierte Zukunftspreis 2017 ging an ein Entwicklerteam der Marquardt GmbH mit den Teammitgliedern Andreas Hamma, Daniel Moosmann, Markus Ostler, Jens Niemann und Klaus-Peter Vogler. Sie erhielten den Preis für die Entwicklung einer Batterie Management Steuerung für komplexe Batteriesysteme in Hybrid- und reinen Elektrofahrzeugen mit einem enormen Marktpotenzial für die Mobilität der Zukunft. Das Steuergerät überwacht permanent den Lade- und Alterungszustand der Akkus, sorgt für eine gleichmäßige Ladung aller Batteriezellen und verhindert Überlast und elektrische Kurzschlüsse.

Darüber hinaus wurden noch zwei zweite Preise und vier Sonderpreise vergeben. Insgesamt betrug das Preisgeld 32.000 Euro.

„Das Fachgebiet des Zukunftspreises ist der Nährboden für bahnbrechende und wegweisende Erfindungen und Entwicklungen“, betonte Stiftungsgründer Ewald Marquardt. Besonders freue er sich darüber, dass es wieder zahlreiche hochkarätige Bewerbungen aus ganz Baden-Württemberg für diesen Preis gab, der das Spezialgebiet der Schalt-, Steuerungs- und Regelungstechnik, welches nicht immer im Fokus der Öffentlichkeit steht, in den Mittelpunkt rückt. Ohne die zahlreichen Innovationen auf diesem Fachgebiet könnten viele vorteilhafte technische Neuerungen, die unser tägliches Leben prägen, nicht stattfinden. „In der jetzt zwölfjährigen Geschichte des Zukunftspreises lassen sich Tendenzen und Trends des technischen Fortschritts überall ausmachen bei der Elektrifizierung, Elektronifizierung und der Digitalisierung“ sagte Ewald Marquardt in seiner Ansprache. Die Jury, der neben dem Vorsitzenden Prof. Hans-Jörg Bullinger, ehemaliger Präsident der Fraunhofer Gesellschaft, noch Dr. Peter Jung, langjähriger Geschäftsführer der Marquardt GmbH und Prof. Gerald Higelin von der Hochschule Furtwangen angehören, habe bei ihrer schwierigen Bewertung nicht nur die erfinderische Leistung und den wissenschaftlichen Ansatz bewertet, sondern auch die strategische und wirtschaftliche Bedeutung der Innovation.

Dieter Teufel, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwarzwald-Baar-Heuberg, stellte in seinem Grußwort heraus, dass der Stifter Ewald Marquardt mit seinem Zukunftspreis eine herausragende Rolle bei der Förderung spezieller Technologien in der „Gewinnerregion“ übernommen habe. Gerade auch für junge Ingenieure ist die Prämierung besonderer Innovationen ein Ansporn auf diesem erfolgreichen Weg weiter zu gehen. Bezogen auf die „kleinteilige Wirtschaftsmetropole Schwarzwald-Baar-Heuberg“ hob Teufel hervor, dass diese Region die höchste Industriedichte in Europa habe. „ Wo eine industrielle Fertigung stattfindet, haben wir eine hohe Wertschöpfung. Und davon profitiert auch der Dienstleistungsbereich“. Gerade auch erfolgreiche Unternehmen wie Marquardt in Rietheim trügen zu dieser positiven Entwicklung in der Region bei.

Beeindruckt von den eingereichten Bewerbungen zeigte sich Prof. Hans-Jörg Bullinger. Es sei der Jury nicht leicht gefallen, die Preisträger zu ermitteln. In diesem Jahr würde die Digitalisierung im Vordergrund stehen. „Sie wird in den nächsten Jahren alles verändern“ meinte er und erläuterte die wichtigsten Trends der nahen Zukunft. Wesentlicher Standortfaktor in der Zukunft sei das schnelle Internet mit 5G Netzen. Durch die Entwicklung neuer und leistungsstärkerer Sensoren ließen sich nahezu unbegrenzt und schnell Daten ermitteln und auswerten. Etablierte Geschäftsmodelle stünden auf dem Prüfstand, heute kaufen Kunden noch Autos, in Zukunft Mobilität. Unternehmen aus anderen Branchen, wie z. Bsp. Google und Amazon, werden mit den traditionellen Automobilherstellern um die Kundenschnittstelle kämpfen. Dabei sei Marquardt „hervorragend aufgestellt“, da das Unternehmen in diesem Feld aktiv sei.

Mit dem zweiten Preis (5.000 Euro) ausgezeichnet wurde ein Entwicklerteam des Instituts für Steuerungstechnik der Werkzeugmaschinen und Fertigungseinrichtungen an der Universität Stuttgart mit Frederik Wulle, Dr. Karl-Heinz Wurst, Daniel Coupek, Jens Friedrich und Florian Eger für ein neues Freiformflächen-3D-Druckverfahren. Konventionelle dreiachsige Druckverfahren haben den Nachteil geringerer Stabilität der Bauteile, von Stufeneffekten sowie von erforderlichen Stützstrukturen. Durch den mehrachsigen Druck von mind. 5 Achsen werden diese Nachteile überwunden.

Ein weiterer zweiter Preis (5.000 Euro) ging an das Team Bernd Bär, Martin Läufer, Markus Tonner, Steffen Lehr, Felix Diemer und Uwe Schwalm von der Marquardt GmbH für die Entwicklung eines Laufzeit-Messsystems zum Schutz vor „Relay-Attacken“ bei Komfortschließsystemen in Fahrzeugen. Die Sicherheitslücke bestand darin, dass Autodiebe durch Abhören die Pegel der Funksignale verändern konnten. Die sonst nur im Nahfeld ausgetauschten Daten zwischen Autobesitzern und ihren Fahrzeugen konnten so über viele Meter übertragen werden. Das neue System misst mithilfe der Lichtgeschwindigkeit die Distanz zwischen Fahrzeug und Schlüssel, verhindert eine Verlängerung der Messzeit und damit den Autodiebstahl.

Alle Preisträger auf einem Bild mit Ewald Marquardt in der Mitte und Prof. Dr. Hans-Jörg Bullinger (rechts)

Zusätzlich wurden vier Sonderpreise mit einem Preisgeld von je 3.000 Euro vergeben.

Ein Sonderpreis ging an ein Team des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg mit Dr. Christoph Siedle, Stefan Reichert, Benjamin Stickan und Moritz Bader. Prämiert wurde eine universelle, hochdynamische Umrichterregelung für ein- und dreiphasige Systeme im Netzparallel-, Insel- und unterbrechungsfreien USV-Betrieb. Die Einbindung vor allem regenerativer Energiesysteme führt zu einer Dezentralisierung der Versorgungsstruktur. Mit Hilfe dieses neuen Reglers können Wechselrichter künftig universell ohne Änderung eigene Netze einzeln oder im Verbund aufbauen.

Ein Team der Heidelberger Druckmaschinen AG mit Klaus Kleibaumhüter, Johann Schunn, Jochen Bechtler und Frank Heynig erhielt einen Sonderpreis für einen unidirektionalen Hoch- und Tiefsetzsteller für Brennstoffzellenfahrzeuge. Beim Brennstoffzellensystem ist die Ausgangsspannung gegenüber dem LI-Ionen-Akku-System sehr stark belastungsabhängig. Somit muss zur optimalen Fahrantriebsauslegung ein DC/DC-Wandler zwischen Brennstoffzelle und Antriebssystem geschaltet werden. Die prämierte Innovation erfüllt die Anforderungen hinsichtlich Größe, Leistung und Kosten.

Ein weiterer Sonderpreis ging an Michael Ebli von der Hochschule Reutlingen für eine Halbleiter-Ansteuerschaltung zur Reduzierung von Schaltverlusten durch Ausnutzung eines induktiven Rückkoppelnetzwerkes. Diese Erfindung liefert einen signifikanten Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung von elektronischen Systemen. Der wesentliche Vorteil liegt in der Reduzierung der Schaltenergie, die wiederum eine Erhöhung der Schaltfrequenz ermöglicht.

Mit dem vierten Sonderpreis wurde eine Masterarbeit von Markus Hermle von der Hochschule Furtwangen ausgezeichnet, die von einem Entwicklerteam der Marquardt GmbH mit Dietmar Weisser, Immanuel Aichele und Martin Götz betreut wurde. Inhalt der Arbeit ist die Entwicklung eines Drehmomentsensors für Pedelecs. Dabei soll die Kraft beider Pedale getrennt voneinander gemessen werden und in die Kraftübertragung einfließen, um möglichst hohen Fahrkomfort beim Anfahren zu erzeugen.

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SÜDKURIER, 27.03.2018.
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